Oh Mann, Russland. II

Es klumpen sich einmal mehr Besorgnis erregende Meldungen – zur Abwechslung diesmal aus der russischen Kulturwelt.

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Es klumpen sich einmal mehr Besorgnis erregende Meldungen – zur Abwechslung diesmal aus der russischen Kulturwelt.

Baibakov Art Projects, eine Plattform für zeitgenössische Kunst in Russland „and abroad“ berichtet auf seiner Website, dass das russische Kulturministerium sich aus lange geplanten Bauvorhaben für so genannte Zentren zur Vermittlung von zeitgenössischer Kunst und Kultur zurückzieht. Diese seien „inneffektiv und unnötig“.   Statt um Ideen und Innovationen soll es in den Zentren in Kaluga, Wladiwostok und Pervouralsk nun um „spirituelle und patriotische Aufklärung“ gehen. Geplant seien zudem Bildungsveranstaltungen, die von der russisch-orthodoxen Kirche entwickelt wurden.

Der Schauspieler, Regisseur und Putin-Unterstützer Nikolai Burlyaev, der eine Arbeitsgruppe für die Neuplanung der Zentren leitet, sagte laut “Baibakov Art Project: „Die ursprüngliche Idee des Projekts bestand darin, einen neuen Bürger-Typus zu schaffen, einen Agent des Wandels, fähig für politische Reformen. Nun, wie wir alle wissen, hat so auch der Maidan angefangen, und das habe ich dem Minister Vladimir Medinsky gesagt.“

Zudem wurde in der vergangenen Woche die Entlassung von Irina Lebedeva,  Direktorin der Tretjakow Galerie, bekanntgegeben. Sie wird ersetzt durch Zelfira Tregulova die zuvor am Kreml-Museum und dem Ausstellungs-Zentrum ROSIZO gearbeitet hat. Lebedeva, die schon seit Mitte der Achtziger Jahre an der Tretjakov-Galerie gearbeitet hatte und als renommierte Kennerin der russischen Avantgarde gilt, wird „ineffektives Management“ vorgeworfen.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres war der gesamte wissenschaftliche  Mitarbeiterstab des legendären „muzey kino„, des Moskauer Kinomuseums aus Protest gegen die neue Leiterin des Museums, Larisa Solonitsina zurückgetreten.
Das einzige Filmmuseum des Landes begann seine Arbeit 1989 und besitzt heute eine Sammlung, die die Filmkultur Russlands über die gesamte Schaffenszeit abbildet.

Larisa Solonitsina, so die Mitarbeiter sei sowohl filmhistorisch wie museologisch komplett unerfahren, lasse Führungskompetenzen vermissen habe „unter dem Vorwand, „Ordnung zu schaffen“,…, auf disziplinarischem Wege die ihr missliebigen Mitarbeiter zu entlassen, ohne ihnen eine fachliche Erklärung hierfür zu liefern. Anderen wurde nahe gelegt, „aus freien Stücken“ zu gehen.“ Einzelne Mitarbeiter seien verleumdet worden, Solonitsina ließ unerlaubt Arbeitsplätze durchsuchen, übte erpresserischen Druck auf Mitarbeiter aus und  warf ihnen vor, Straftaten begangen zu haben.“ Vor ihrem Amtsantritt arbeitete Solonitsina als Chefredakteurin der Zeitung der Vereinigung russischer Kameramänner.
Und auf der Webseite des Museums wurde Anfang dieses Monats darüber informiert, dass  die „offizielle Website des Museum am 1. November ihre Arbeit aufnimmt“.  Warum man neun Monate braucht, um eine Site zu launchen – keine Ahnung.

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