Sub⎟bot⎟nik, der; oder: Wie ein Picknick nach dem Winter

[russ. subbotnik, zu: subbota = Sonnabend; die Arbeit wurde urspr. nur sonnabends geleistet] (DDR): in einem besonderen Einsatz freiwillig und unentgeltlich geleistete Arbeit.

In der Nacht zum 12. April 1919 reparierten russische Eisenbahner in einer unbezahlten Sonderschicht Dampfloks. W.I. Lenin lobte diese Initiative in einer Schrift als Zeichen des “Heldentums der Arbeiterklasse”. Ein Jahr später – am 1. Mai 1920 – gab es den ersten allrussischen Subbotnik. In der DDR wurde diese sowjetische Tradition übernommen, nicht zuletzt mit dem gewissen kollektiven Druck gegenüber Drückebergern.

Morgen und am kommenden Samstag sollen die Moskauer wieder in die Parks und Gärten, auf die Magistralenmittelinseln und Schulhöfe dieser Stadt strömen und den Dreck des Winters beseitigen – oder notfalls übertünchen.
Wenn es irgendwo in diesen Tagen streng nach Lackfarbe riecht und sich ein armer Mensch vor einen Bordstein kniet, um ihn in der 13. Schicht knallblau anzupinseln, wenn man nur mit größter Vorsicht Parkbänke besetzen oder Schlagbäume passieren sollte („осторожно, окрашено!“) dann ist klar, der Frühling kommt.

„Unser Subbotnik“, sagt heute Marina Lyulchuk, die Direktorin von Mosgorpark (der Vereinigung aller Moskauer Parks und Gärten) „ist wie ein gemeinsames Picknick nach dem Winter.“
Aber da Russland zurzeit gern die Vergangenes heraufbeschwört und mit patriotischem Strich neu bepinselt, wird die ehemalige Pflichtveranstaltung zum erbaulichen Kollektiv-Event: Zeitschriften, Internet-Portale, Musiklabels sponsern Veranstaltungen in diversen Parks und nutzen sie als Werbeplattform.

Im Muzeon-Park (Krimski Val, 2; Metro Park Kultury oder Oktjabrskaya) werden am Samstag, den 18.4. ab 12 Uhr bei Live-Musik alte Herrscher-Statuen eingeseift; im Baumann-Park (Ulitsa Staraya Basmannaya 15, Metro Baumanskaya oder Kracnije Worota) gibt es Vorträge von Urbanisten,  Kurse für den Bau von Vogelhäuschen oder das „Anlegen von Beeten mit Schattenpflanzen“. Kinder dürfen ihren Traumpark entwerfen – zumindest auf einem Blatt Papier.
Im Perowski-Park (Ulitsa Laso 7, Metro Perowo) wird erst trainiert, dann geschafft: Mit Unterstützung von Fitness-Trainern kann man gezielt den Subbotnik vor- oder nachbereiten –  die lästige Bückerei nach Müll im Gebüsch geht auf die Knochen.
Das Frauenmagazin „Elle“ empfängt im Ermitage-Garten ( Ulitsa Katerina Ryad 3, Metro Tschechovskaya oder Puschkinskaya) mit Schönheit-Bars, Make-Up-Schulungen und Fitness-Ecke. Im Zaritsino-Park (Ulitsa Dolskaya 1, Metro Orechowo) wird das Putzen mit Jazz-Musik begleitet, man kann Schlagzeug und Gitarre lernen – oder einen Boogie-Woogie-Schnupperkurs absolvieren.
Im Park Fili (Ulitsa Bolschaya Filewskaya 32/3, Metro Film) wird Sherlock Holmes gespielt – die Subbotnik-Teilnehmer müssen einen versteckten Schlüssel finden und im Park Krasnaya Presniya (Ulitsa Mantulinskaya 5, Metro Ulitsa 1905 Goda) fahren ab 11 Uhr  Foodtrucks vor und füttern die Fleissigen (ob man vorher etwas getan haben MUSS, lassen die Veranstalter offen)

Am kommenden Samstag schließlich wird in 13 Moskauer Parks die groß angelegte Kampagne „Flieder 1945-2015“ gestartet. Als Vorbereitung des diesjährigen 70. Jahrestags des Sieges im so genannten „Großen Vaterländischen Krieg“ werden mehr als 700 Fliederbüsche gepflanzt.

Moskau wird lila. War das nicht die Farbe der Hoffnung?

+++Wer macht dieses Jahr beim Subbotnik mit? Geht hin? Schaut zu? Ich würde kommendes Wochenende gern Eure persönlichen Subbotnik-Eindrücke hier posten. Schickt mir Fotos und Kommentare. +++

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