Brot statt…

 

Eine wichtige Sache wenigstens ist geschafft in diesem sehr merkwürdigen Jahr: Mein Brot-Problem ist gelöst. Das ist etwas, was mich sehr erleichtert. Brot ist ein Problem in Russland. Es gibt viel. Es ist billig. Es ist, neben Kartoffeln, das Hauptnahrungsmittel vieler Menschen, die mehr denn je unter der aktuellen Krise leiden. Aber es hat, wie so vieles hier, leider, oft miese Qualität.


Bestimmt haben wir Deutschen da eine Macke, und ich vielleicht besonders, wenn ich an Lieblosig- und Achtlosigkeit denke, sobald ich vor einem Brotregal stehe. Da riecht nichts, da hast Du was in der Hand, das sich wie Schaumstoff anfühlt oder wie ein Dinkelspelzkissen. Und immer Borodinski-Brot, das dunkle, mit Melasse und Koriander, wird irgendwann öde.
Wer nicht nur Genörgel lesen will, sollte hier die Lobeshymne auf die vielfältige russische Backkunst lesen. Glaub ich gern. War nur in zweieinhalb Jahren verdammt schwer zu finden.
Bäckereien wie Wolkonsky verkaufen wirklich tadelloses, aber teures Brot. Logisch, dass sie laut „Time Out Moscow“ zu den zehn besten Konditoreien der Stadt gehört. Obwohl es mittlerweile 25 Filialen gibt, kam ich zu selten vorbei, um die Tiefkühltruhe mit Baguette und Landbrot zu verstopfen. Die Alternative: selber backen. Geht. Macht Spaß. Aber nicht immer.
Ich hörte davon, dass es im Deutschen Wohngebiet einen Testlauf gab: ausgewählte Haushalte bekamen in der vergangenen  Woche Brötchen einer so genannten „Dorfbäckerei“ geliefert. Über die Ergebnisse ist mir noch nichts bekannt. Der Plan ist aber, das gesamte Wohngebiet zu beliefern.

So lange habe ich aber noch eine ausgezeichnete Empfehlung: Vor kurzem nun habe ich, sogar nicht weit von hier, Comme à Paris von Antoine Galavtine kennengelernt. Antoine hat eine französische Mutter und einen russischen Vater, er hat lange im französischen Chambre de Commerce in Moskau gearbeitet. Nun versucht er, wirklich gute Backware an den Russen zu bringen.

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Sein kleines Geschäft befindet sich auf der Profsoyuznaya Ulitsa, an einem ohnehin ganz interessanten Ort: dem EkoMarket. Etwas, was versucht, ein Ökomarkt zu sein.
(Liebe Superfood-Addicted People: hier findet Ihr von Weizengras, Chea-Samen und Spirulina alles, was Euer Grüne-Smoothie-Herz begehrt.) Ansonsten sieht es im Grunde aus wie ein netter, sauberer, überdachter Markt.
Doch solche Initativen hierzulande muss man absolut unterstützen, schließlich will Russland ja einer der größten Exporteure für Öko-Lebensmittel werden. Und im EkoMarket hängen die Pioniere dieser weltumspannenden Nahrungsmittel-Expansion rum.

Das Brot von Antoine schmeckt trotzdem. Sehr gut. Und der Kaffee auch.

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